Waldlabor Köln

  Bäume im Waldlabor Urheberrecht: LS für Landschaftsarchitektur

Das Waldlabor Köln ist ein Experimentierfeld, das neue Erkenntnisse und Informationen darüber bringen soll, wie der Wald der Zukunft aussieht, wie dieser zu bewirtschaften ist und wie die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland reduziert werden können.

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Frank Lohrberg

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Das Waldlabor Köln ist ein Ort des Experimentes: Wie kann aus einem Acker an der Autobahn ein öffentlicher Ort und viel mehr noch - ein Stadtpark der Zukunft - werden, der seinen Beitrag zur urbanen Kultur Kölns leistet? Zu dieser Grundfrage gesellen sich eine Reihe Experimente, für die das 25 ha große Waldlabor in vier Bereiche untergliedert wurde. Neben einer Kurzumtriebsplantage, die als „Energiewald“ Antworten auf die Fragen der Energiewende sucht, experimentiert ein „Wandelwald“ mit abwechslungsreichen Waldbildern, ein „Klimawald“ mit stressresistenten Baumarten, und ein „Wildniswald“ mit natürlicher Sukzession.

Die Idee für das „Waldlabor Köln“ entstand im Rahmen der „Regionale 2010“ in der Region Köln/Bonn, einem Strukturförderprogramm des Landes NRW. Unter dem Titel „Regio Grün“ erarbeitete die Stadt Köln zusammen mit den umliegenden Landkreisen und Kommunen die Idee eines Freiraumsystems, das die Kölner Grüngürtel über neue radiale Freiraumkorridore mit dem Umland vernetzt. In mehreren Workshops wurde das Konzept eines „Waldlabors“ in Köln entwickelt: ein Experimentierfeld zur Klärung der Frage auf welche aktuellen Herausforderungen ein Stadtwald reagieren sollte.

Das Waldlabor ist als öffentlicher Ort konzipiert und wurde schon kurz nach seiner Anlage von der erholungssuchenden Bevölkerung angenommen. Ein breiter Weg schlängelt sich durch die Anlage und präsentiert Spaziergängern, Joggern und Radfahrern die unterschiedlichen Bereiche. Schmalere Pfade führen teilweise in die Gehölzbestände hinein. Hinweistafeln informieren die Bürger über die Bestandteile der Anlage. Mehrere Wiesenstreifen gliedern die Anlage und schaffen Durchblicke vom Grüngürtel hinüber zur Autobahn. Der Entwurf zielt nicht darauf, Abgeschiedenheit und Ruhe herzustellen, sondern will herausfinden, ob sich nicht auch interessante ästhetische Kontraste zwischen den kompakten, lagernden Gehölzpflanzungen und dem scheinbar ständig fließenden Verkehrsstrom einstellen.

Der besondere Laborcharakter ist den meisten Besuchern allerdings nicht bewusst. Dies tut den Vor-Ort-Qualitäten natürlich keinen Abbruch. Im Gegenteil: Man soll das Waldlabor auch nutzen können, ohne Hintergründe und Ambitionen der Anlage zu kennen. Gleichwohl zeigen die Erfahrungen mit der ersten Beerntung des Energiewaldes, dass Grüne Labore nicht nur gemacht, sondern in ihren Besonderheiten auch einem breiteren Publikum kommuniziert werden sollten. Auch in dieser Hinsicht gilt es weiterhin erfinderisch zu sein. Ein durchaus vielversprechender Versuch dazu stellte die Durchführung einer „Waldwerkstatt“ im Juni 2016 dar: Studierende wohnten und arbeiteten eine Woche lang im Energiewald und veränderten diesen durch künstlerische Eingriffe. Ihre Präsenz, ihr Schaffen und die bis zur nächsten Ernte zugänglichen und erlebbaren Kunstwerke tragen dazu bei, das Waldlabor in seiner Eigenart den Besuchern näher zu bringen. Eine Wiederholung ist geplant. Es ist zu wünschen, dass nicht nur Studierende, sondern auch weitere Akteursgruppen das Waldlabor als Ort neuer Möglichkeiten entdecken. Die Stadt Köln bietet ihren Bewohnern regelmäßig informative Spaziergänge durch das Waldlabor an. Auch fragen immer wieder Hochschulen, teils aus dem Ausland, nach Führungen vor Ort. Grundschulkinder wurden durch eine Wald-Klima-Rallye mit dem Waldlabor vertraut gemacht.

In der Umsetzung der Idee ging die Stadt Köln neue Wege. Man suchte die Nähe zur Wirtschaft und fand in der Toyota Deutschland GmbH einen Partner, der Teile der Gehölzpflanzungen sponserte und auch die laufende Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Die RheinEnergie AG wurde als Partner für die Anlage und den Betrieb der Kurzumtriebsplantage gewonnen. Auch den Bürgern wurde Gelegenheit gegeben, sich durch Spenden an der Pflanzung von Gehölzen zu beteiligen – eine nicht nur in finanzieller Hinsicht erfolgreiche Aktion: Die Bürger konnten „ihre“ Bäume selber pflanzen und wurden somit unmittelbar in den Aufbau des Waldlabors eingebunden, was zu einer positiven, öffentlichen Wahrnehmung des Projektes beigetragen hat.