Productive Green Infrastructure for post-industrial urban regeneration

  Wissenschaftlicher Mitarbeiter zeigt Fisch aus der Aquaponikanlage Urheberrecht: © FH Südwestfalen/Pösentrup

Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur koordiniert das Horizon-2020-Projekt "proGIreg".

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Axel Timpe

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Productive Green Infrastructure for post-industrial urban regeneration

Im Ruhrgebiet entwickeln die Forschenden der RWTH ein lebendiges Labor mit Fischzucht und Urban Farming

Mit einer Fischzucht mitten in Dortmund Gemüse anbauen? Das mag zunächst nach einem Luftschloss für die Industriebrachen im Stadtteil Huckarde klingen. Wenn Dr. Axel Timpe die Idee erläutert, dann wird sie allerdings schnell konkret und naheliegend. Der Ansatz des Landschaftsarchitekten vom Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen um Professor Dr. Frank Lohrberg nennt sich Aquaponik. Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht wird so gereinigt und der Fischkot direkt als Dünger für die Pflanzen genutzt. Urban Farming lautet das Prinzip, bei dem Felder auch in Städten wachsen – in die Höhe und nicht unbedingt in die Breite.
Das Aachener Vorhaben für Dortmund-Huckarde ist eines der drei Hauptbestandtteile des Horizon-2020-Projektes Productive Green Infrastructure for Post-industrial Urban Regeneration (proGIreg), was so viel heißt wie „produktive grüne Infrastruktur für die Regeneration alter Industriestädte“ und soll naturnahe Stadtentwicklungsmaßnahmen in benachteiligten Stadtteilen auf den Weg bringen. Dortmund ist eine der sogenannten europäischen Frontrunner-Städte, die anderen beiden sind Turin und Zagreb sowie Ningbo in China, in denen ähnliche Projekte gestartet werden.
Beteiligt sind sechs Universitäten, neben den vier Frontrunner-Städten sieben weitere Kommunen, die die Projekte nachahmen sollen, acht kleine und mittlere Unternehmen und sieben Nichtregierungsorganisationen (NGO). Der Aachener Lehrstuhl koordiniert das gesamte Vorhaben, die Europäische Union fördert es mit mehr als zehn Millionen Euro. „Es ist ein ungewöhnliches großes Projekt, das wir mit 34 Partnern bestreiten“, sagt Timpe. Im 2018 September war großer Kick-off im Rahmen einer Konferenz in der Alten Schmiede in Dortmund-Huckarde. Seitdem sind in partizipatorischen Co-Design Prozessen kontext-spezifische Nature-based Solutions erarbeitet worden, Implementierungen initiiert sowie Bewertungs- und Monitoring Aktivitäten durchgeführt worden, um das Potential der Lösungsansätze empirisch zu untermauern.

 
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Horizon-2020-Projekt "proGIreg"
 

Forschungsrahmenprogramm der EU

Bei Horizon 2020 handelt es sich um das Forschungsrahmenprogramm der EU, zwischen 2014 und 2020 wurden und werden 75 Milliarden Euro in Forschungsprojekte investiert. Unter den bis dato ausgewählten ist das Projekt, das federführend von den Aachener Landschaftsarchitekten koordiniert wird. „Das Projekt hat für die Fakultät für Architektur der RWTH Aachen University den allerhöchsten Stellenwert. Dies begründet sich nicht allein aus der enormen Drittmittelsumme, die für die Fakultät tatsächlich herausragend ist, sondern hat auch inhaltliche Gründe: Wichtig ist uns die internationale Zusammenarbeit und der Charakter des Projektes, bei dem durch die Praktiken der angewandten ‚innovation action‘ die Fakultät als Bindeglied zwischen Wissenschaft, den kleinen und mittleren Unternehmen, der Zivilgesellschaft und der Planungspraxis in den Städten fungiert“, erklärt der Prodekan der Fakultät, Professor Dr. Alexander Markschies.
Zufall ist es gewiss nicht, dass der Aachener Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur ein solches Projekt koordiniert – und selbst in Dortmund im Sinne eines Living Labs (also lebendigen Labors) mit den Menschen vor Ort und der Idee von Fischzucht und Gemüseanbau aktiv wird – und gemeinsame Strategien zur Umsetzung entwickelt. Denn im Rahmen des Projektes CoProGrün: Co-produzierte Grünzüge als nachhaltige kommunale Infrastruktur haben die Aachener Architektinnen und Architekten sowie ihre Forschungspartner bereits – in diesem Fall gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF – in Dortmund und den Nachbarstädten Waltrop, Castrop-Rauxel und Lünen gewirkt – ebenfalls zum Thema Urban Farming/Urban Gardening. „Wir können also auf unseren Beziehungen vor Ort aufbauen“, sagt Timpe.

Keine klinisch-reine Laborlandschaft

Der Aquaponik-Ansatz, der nun mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort verfolgt wird, kann nicht nur auf den vorhandenen Beziehungen aufbauen. Erste Versuchsanlagen für die Fischzucht gibt es bereits an der FH Südwestfalen, einem der Projektpartner. „Es soll keine klinisch-reine Laborlandschaft werden. Der Ansatz ist bewusst Low-Tec, damit die Anlage von Vereinen beziehungsweise den Menschen vor Ort betrieben werden kann und so auch ein Beschäftigungspotenzial geschaffen wird“, erläutert Timpe. Weitere Bausteine des Dortmunder Projektes sind Maßnahmen zur Förderung der Insektenvielfalt und der Schaffung von urbanen Gemeinschaftsgarten-Initiativen mit Permakultur Anbaumethoden.
Begleitet wird die Arbeit in den Städten, die bis Sommer 2023 angesetzt ist, von Lehr- und Lernmodulen auf edX, einer globalen Plattform für Massive Open Online Courses, also digitale Lehrveranstaltungen. Der freie Zugang zum im Rahmen des Projektes generierten Wissens ist elementarer Bestandteil des Horizon-2020-Projektes. Entsprechende Module zum Thema „Nature-based solutions in urban regeneration“ sind in der Vorbereitung und werden voraussichtlich im November 2021 an den Start gehen.

 

Infobox proGIreg

  1. Projektdauer: Juli 2018 – Juni 2023
  2. EU Fördersumme: 10,432,512.01 Euro
  3. 36 Konsortialpartner: 6 Universitäten, 11 Städte und ihre Eigenbetriebe, 7 KMU, 7 NGO, 3 Forschungsinstitute, 1 Großunternehmen
  4. H2020 topic: SCC-02-2016-2017 - Demonstrating innovative nature-based solutions in cities
  5. Partner an der RWTH: Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur mit 77 Personenmonaten; Abt. 4.2 EU Projektmanagement mit 20 Personenmonaten; Medien für die Lehre für MOOC-Implementierung mit 18 Personenmonaten
  6. RWTH Förderung: 973,625.00 Euro