Projektmanagement in Praxis und Lehre der (Landschafts)Architektur ... ein wenig Chaos gehört dazu

  • Project management in (landscape)architecture : professional practice and teaching ... a little chaos is necessary

Kluge, Florian; Krause, Christian L. (Thesis advisor)

Köln : Müller (2008)
Doktorarbeit

Zgl.: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2008

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit Projektmanagement im speziellen Kontext der Praxis und Lehre von Landschaftsarchitektur, Architektur und Stadtplanung. Sie ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil wird Projektmanagement zunächst definiert sowie ein branchenübergreifender Überblick gegeben, um Entstehung und Weiterentwicklung der Methode zu verstehen. Die Untersuchung von Normen und Fachliteratur zeigt, dass der Begriff Projektmanagement trotz seiner vielfältigen Verwendung fest definierte Inhalte hat. Projektmanagement entstand vor vielen Jahrzehnten in der Rüstungsindustrie und ist im Fortgang überwiegend von Ökonomen und Ingenieuren weiterentwickelt worden. In diesen Branchen wird unter anderen Rahmenbedingungen als in der (Landschafts)Architektur gearbeitet, so dass die Methode nicht eins zu eins übertragbar ist. Gleichwohl können wertvolle Hinweise für die (Landschafts)Architektur gewonnen werden. Der zweite Teil richtet seinen Blick auf Projektmanagement in der (Landschafts)Architektur. Dort sind Projekte eine selbstverständliche Organisationsform und ein weit verbreitetes Planungsmodell. Um die Methodik auch hier optimal nutzen zu können, ist es notwendig, sie den Anforderungen moderner Projektplanung und flexibler Prozesse anzupassen. Es werden neun Statements erarbeitet, die das Verständnis der Methode in der (Landschafts)Architektur erläutern: 1) Projekte haben mehrere Dimensionen, die gemanagt werden müssen: Projekte als Produkt, Prozess und Organisation; 2) Projektmanagement erfindet die Projektarbeit nicht neu; 3) der Komplexitäts- und Determinationsgrad der Projekte entscheidet über die Anwendungsart, die Methode muss angepasst werden; 4) Projektmanagement muss flexibel angewendet werden; 5) das Prozessverständnis unterscheidet sich von anderen Branchen; 6) soziale Kompetenzen haben größte Bedeutung, 7) Projektmanagement erfordert nicht zwangläufig einen Manager; 8) falsch verstandenes Projektmanagement kann dem Projekt schaden; 9) Projektmanagement ist nicht die Lösung aller Probleme. Eine Untersuchung des Praxis-Stellenwerts zeigt, dass professionelles Projektmanagement noch nicht sehr weit verbreitet ist. Aufgrund enormen wirtschaftlichen und methodischen Bedarfs hat die Nachfrage jedoch stetig zugenommen, und die Verbreitung wächst weiter. Der Nutzen von Projektmanagement ist stark von den Rahmenbedingungen des Projekts und seinen Akteuren abhängig. Es lassen sich jedoch fünf Ebenen des Nutzens identifizieren: 1) Wirtschaftliches Denken, Selbstmanagement, 2) Strukturierung, Übersichtlichkeit, Transparenz, 3) Steuerung, Kontrolle, Qualitätssicherung, 4) Kommunikationskanäle und -strukturen, 5) Außenwirkung und Marktpositionierung. Seinen vollen Wirkungsgrad entfaltet Projektmanagement, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden: Detaillierte Erfassung der Situation, Auswahl der geeigneten Hilfsmittel, Angemessenheit der Hilfsmittel, Anwendung auf allen Ebenen und in allen Phasen, Geduld und gründliche Einarbeitung, Flexibilität der Mittel, schrittweise Konkretisierung und kontinuierlicher Lernprozess. Der dritte Teil der Arbeit setzt sich mit der Hochschul-Lehre auseinander, da die Praxisanalyse und Experten-Aussagen keinen Zweifel daran lassen, dass die Projektmanagement-Vermittlung bereits im Studium erforderlich ist. Auch die Akkreditierungsrichtlinien der Hochschulen und Anforderungskataloge der Kammern fordern Projektmanagement, in den Curricula spielt es jedoch kaum eine Rolle. Die Hochschulausbildung wird den Anforderungen der Praxis daher nicht gerecht. Auf der Basis der Praxisberichte, einer Best-Practice-Analyse spezieller Lehrangebote sowie eigener Lehrerfahrungen ist eine Orientierungshilfe für die spezifische Projektmanagement-Lehre im universitären (Landschafts)Architektur-Studium entstanden. Die als wichtig identifizierten Themenbereiche werden in drei Kategorien unterteilt: „Grundlagen des Projektmanagements”, „Weiterführende Inhalte” und „Spezialisierungen”, die jeweils nach ihren Lernzielen und Lehrinhalten aufgeschlüsselt werden. Darüber hinaus haben sich im Laufe der Arbeit Erkenntnisse zu geeigneten Vermittlungsmethoden ergeben, die den Blick auf weitere Forschungsfelder und -Fragestellungen öffnen. Sie werden in Form von vier Denkanstößen formuliert. Durch die Integration der formulierten Projektmanagement-Inhalte in die universitären Curricula und durch die Berücksichtigung der Denkanstöße zur Umsetzung in der Lehre könnte ein großer Fortschritt in der Projektmanagement-Ausbildung erreicht, den Anforderungen der Praxis in höherem Maße entsprochen und der Praxis zu mehr Management-Professionalität verholfen werden.

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